Zwei Fische und das Wasser

Es waren einmal zwei junge Fische. Die hatten gehört, dass es da etwas ganz Besonders geben soll, was man Wasser nennt.

Also fragten sie viele andere Fische, die sie kannten und die ihnen begegneten nach diesem Wasser. Doch niemand wusste eine Antwort und konnte ihnen weitehelfen.

Eines Tages gab ihnen ein Fisch den Rat, doch einmal bei dem alten Fisch am Rande des Schilfs zu fragen. Der sei sehr lebenserfahren, vielleicht könnte er ihnen helfen.

Also machten sich die beiden auf den Weg und schwammen zu dem alten Fisch am Rande des Schilfs.

Dort angekommen fragten sie den alten Fisch: „Man sagte uns, Du könntest uns vielleicht bei unserer Frage helfen. Wir haben gehört, dass es etwas ganz Besonderes geben soll, das das Leben erfüllt und aus dem man noch viel anderes erfahren könne.“
Und was soll das sein, fragte der alte Fisch zurück.
„Nun es heißt Wasser.“ ergänzte einer der jungen Fische.
„Wasser?“ wiederholte der alte Fisch fragend. „Tut mir leid, da kann ich Euch auch nicht weiterhelfen. Ich bin zwar schon sehr alt, doch ich bin nie weit von diesem Schilf hier weggekommen.“

Er blickte in die enttäuschten Augen der beiden jungen Fische und überlegte noch einmal. „Hmm, da gibt es noch einen anderen sehr alten und weisen Fisch. Dem bin ich mal begegnet und der ist sehr weit herum gekommen.“
„Ja, und wo können wir ihn finden“, wollten die beiden sogleich wissen.
„Soviel ich weiß, lebt er jetzt in einer Höhle, ein ganzes Stück weit den Fluss hinauf. Es ist ein ziemlich beschwerlicher Weg, immer gegen die Strömung und auch ein paar gefährliche Stromschnellen gilt es zu überwinden.“

Die beiden jungen Fische schauten sich an, nickten sich zu und waren entschlossen sich auf den Weg zu machen. Sie bedankten sich für die Auskunft und schwammen davon.

Der alte Fisch hatte recht, der Weg war ziemlich beschwerlich und es waren einige Hindernisse zu über-winden. Zwischendurch vergewisserten sie sich bei anderen Fischen, dass sie auch auf dem richtigen Weg waren.

Und endlich kamen sie an der Höhle an. Da nun sollte er leben. Und wirklich, wie sie noch so zögerten kam er aus der Tiefe der Höhle auf sie zugeschwommen. Eine imposante Erscheinung, doch keinesfalls ein-schüchternd, im Gegenteil.

„Hallo, was führt Euch beide denn hier hinauf?“ begrüßte er sie. „Oh,“ antwortete einer der jungen Fische sofort, „wir sind auf der Suche nach etwas, das man Wasser nennt. Niemand konnte uns bisher helfen und zuletzt gab uns ein alter Fisch unten am See, wo das Schilf ganz dicht wächst, den Rat zu Euch zu schwimmen.“ „Wenn es jemand weiß, meinte er, dann ihr.“, ergänzte der andere.

„So, so. Auf der Suche nach dem Wasser seid ihr also?“ wiederholte der alte, weise Fisch fragend. Dabei schaute er die beiden durchdringlich an. Es entstand eine Pause, die der zweite junge Fisch voller Ungeduld und Neugier unterbrach: „Ja, und könnt ihr uns da weiterhelfen?“

Der alte, weise Fisch blickte nochmal in ihre Gesichter und sprach: „Also zuerst müsst ihr verstehen, dass alles um Euch herum Wasser ist.“ Da rissen die beiden die Augen weit auf, schauten dem alten, weisen Fisch ins Gesicht, dann schauten sie sich gegenseitig an und sanken enttäuscht in sich. „Ach, Du weißt es also auch nicht.“, erwiderten sie noch leise und schwammen davon.

Quelle: unbekannt