Home Sweet Home

Ein Haus entflieht seiner Vorstadt-Tristess und macht sich auf zu einer epischen Reise.

Das Gefühl gefangen zu sein in Arbeit, in Verantwortung und Leistungsdruck, dabei gleichzeitig überfordert von den scheinbar unendlichen Möglichkeiten, die die heutige Welt bietet. Und trotz allem kommt der Eindruck auf, doch gar nicht wirklich gebraucht und geschätzt zu werden. Schon zur Seite geschoben und durch jemand anderen ersetzt worden zu sein.

Irgendwann im Leben kommen dann die Fragen: Bin ich am richtigen Platz? Wo gehöre ich hin? Und wo ist dann dieser Platz? Was ist mit den Freunden? Sind es die echten, die richtigen?

„Der erste Impuls für den Film war, eine Geschichte über Freundschaft und Leben im Allgemeinen zu erzählen. Für uns fühlte es sich richtig an, dass eine Roadmovie-Struktur, gerade mit einem Kurzfilm-Medium, ideal war, eine solche Geschichte zu erzählen.“ Dies sagen die vier Studenten Stephane Paccolat, Alejandro Diaz, Pierre Clenet and Romain Mazevet über ihren Animations-Kurzfilm "Home Sweet Home".
Erstellt 2013 als Abschlussarbeit als Teamarbeit an der Supinfocom (der europaweit bekannten Hochschule für Computergrafik im französischen Arles, gewann der Beitrag bereits mehrere internationale Preise.

Home Sweet Home verströmt die ganze Kraft, die animierte Filme auf uns ausüben können und fasziniert den Zuschauer einfach mit herausragenden Bildern.
Angesiedelt in einer dystopischen Welt, in der nur Gebäude überlebt zu haben scheinen und zum Leben erwacht sind, erzählt der Film die Geschichte von einem Haus, das sich von seinem Fundament in einer tristen Stadtrandsiedlung losgelöst hat um sich aufzumachen, die Welt zu erkunden und auf seinem Weg neue Freunde zu finden. Ein altes Haus wird bald sein Begleiter und so darf sich Persönlichkeit hier in Form von ächzenden Balken ausdrücken, durch quietschende Fensterläden und bröckelnde Farbe an der Fassade. Der Wunsch der beiden liebevoll und detaillreich gezeichneten Protagonisten, noch etwas anderes als die eigene Straße zu erleben, führt sie auf einen Roadtrip durch wunderbar gezeichnete Landschaften.
Die Geschichte mag ganz freudig klingen, aber sie hält einen Hauch von Dunkelheit, der die erwachsenen Zuschauer ansprechen sollte, während sie für die Kinder noch munter genug bleibt. Man kommt nicht umhin, an den Film 'Up' zu denken, während man ihn betrachtet, doch kommt es hier, dem Kurzfilm-Format geschuldet, vielmehr durch kleine Andeutungen zu nachdenklich stimmender Tiefe.

Während es der Geschichte gelingt, unsere Herzen zu ergreifen, sind es unsere Augen, die den größten Genuss von diesem Film erhalten. Mit vielen Details animiert, liebevollen Gags versehen und farben-frohen Hintergründen ausgestattet, lässt er vergessen, dass es sich bei dem Film tatsächlich um eine Studentenarbeit handelt. Man erlebt einen unglaublich hochglänzend, animierten Stil, der es problemlos mit vielen unserer animierten Lieblingsstücke aufnehmen kann