Die Drei Siebe

Sokrates Statue, Akademie von Athen

Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und sagte: "Höre Sokrates, weißt du, was ich gerade über einen Freund von dir gehört habe?"

"Halte ein!" - unterbrach ihn der Weise, "Bevor Du mir etwas über meinen Freund erzählst, hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?"

"Drei Siebe?", frage der andere voller Verwunderung.

"Ja guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht: Das erste Sieb ist die Wahrheit. Bist du dir absolut sicher, dass das, was du mir erzählen willst, auch wahr ist?"

"Nein, ich hörte es erzählen und..."

" So, so! Du bist dir also nicht sicher, ob es wahr ist oder nicht." Und Sokrates fährt fort. "Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst gut?"

Zögernd sagte der andere: "Nein, im Gegenteil..."

"So, so ...", unterbracht ihn der Weise, "Du willst mir also etwas Übles über meinen Freund erzählen, bist Dir aber nicht sicher, ob es wahr ist oder nicht." So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden, das der Notwendigkeit. Ist es wirklich notwendig, dass du mir das erzählst?"

"Notwendig nun gerade nicht..."

"Also" sagte lächelnd der Weise, "wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste weder dich noch mich nicht damit."


Auszug aus Wikipedia:
Sokrates
 (* 469 v. Chr. - † 399 v. Chr.) war ein für das abendländische Denken grundlegend prägender griechischer Philosoph, der in Athen zur Zeit der Attischen Demokratie lebte und wirkte. Zur Erlangung von Menschenkenntnis, ethischen Grundsätzen und Weltverstehen entwickelte er die philosophische Methode eines strukturierten Dialogs, die er Maieutik („Hebammenkunst“) nannte.

Sokrates selbst hinterließ keine schriftlichen Werke. Die Überlieferung seines Lebens und Denkens beruht auf Schriften anderer, hauptsächlich seiner Schüler Platon und Xenophon. Sie verfassten sokratische Dialoge und betonten darin unterschiedliche Züge seiner Lehre. Jede Darstellung des historischen Sokrates und seiner Philosophie ist deshalb lückenhaft und mit Unsicherheiten verbunden.